23. Februar 2018 Lesung/Gespräch Das Wintermärchen

Schriftsteller erzählen die bayerische Revolution und die Münchener Räterepublik 1918/1919

Information

Veranstaltungsort

Kreativfabrik
Murnaustraße 2
65189 Wiesbaden

Zeit

23.02.2018, 20:00 - 22:00 Uhr

Themenbereiche

Geschichte

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2018 jähren sich bayerische Revolution und Münchner Räterepublik zum 100. Mal. Der Historiker und Journalist Ralf Höller erzählt ihre Geschichte aus Sicht der Schriftsteller, die sie hautnah miterlebt haben.

München, 7. November 1918: Die SPD veranstaltet eine große Demonstration auf der Theresienwiese. Nach dem offiziellen Ende haben die Anhänger der USPD »keine Lust nach Hause zu gehen« (Höller); sie ziehen durch die Stadt und immer mehr Menschen schließen sich an. Die Kasernen öffnen ihre Tore, Soldaten laufen über. Die wichtigen Stellen der Infrastruktur wie Telegrafenamt und Polizeipräsidium werden besetzt, kein einziger Schuss fällt. Am nächsten Tag ist Bayern das, was es heute noch ist: ein Freistaat.

In »Das Wintermärchen« lässt Ralf Höller die Schriftsteller zu Wort kommen, die Revolution und Räterepublik als Zeitzeugen hautnah miterlebt haben. So ermöglicht Höller einen anderen, ungefilterten Blick auf 175 Tage, die Bayern und Deutschland nachhaltig geprägt haben. Das ist nicht nur für diejenigen interessant, die sich für dieses nahezu vergessene Kapitel deutscher Geschichte interessieren, sondern auch für alle Freunde der Literatur jener Epoche – die Liste der Schriftsteller, die der Revolution beiwohnten oder sie aktiv unterstützten, liest sich wie ein Who’s who – um nur einige zu nennen: Oskar Maria Graf (bekannt geworden u. a. mit seinem Aufruf »Verbrennt mich!«, mit dem er dagegen protestierte, dass seine Werke von der Bücherverbrennung ausgenommen worden waren), Rainer Maria Rilke, Ricarda Huch, Ret Marut (alias B. Traven; Anarchist, während der Revolution Leiter des Presseamtes; nach seiner Flucht zu Weltruhm gelangt, u. a. mit »Das Totenschiff«). Und natürlich Thomas Mann. Der bekommt vom eigentlichen Umsturz zwar wie viele andere nichts mit, weil er sich auf einem Konzert befindet, entwickelt sich in den folgenden Wochen aber rasant vom Konservativen zum Linksliberalen.

Höller erzählt sein Wintermärchen im Präsens. So liest sich das Buch wie eine Reportage und die historischen Protagonisten werden zu lebhaften Figuren. Was Höller nicht leisten kann und will, ist eine historisch umfassende, abschließende Chronologie der Ereignisse. Muss er auch nicht, denn mit »Der Anfang, der ein Ende war« hat er so ein Buch vor einigen Jahren ja bereits geschrieben.

Der 1960 in Engelskirchen geborene Ralf Höller ist Historiker, Journalist und Buchautor. Nach einem Studium der Anglistik, Geschichte und Pädagogik arbeitete er zunächst für Reader’s Digest und diverse NGOs. Heute lebt Höller in Bonn und arbeitet als freier Autor, hauptsächlich für Tages- und Wochenzeitungen.

Eintritt frei

Standort