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Nachricht , : Horstmann/Pope (Hg.): Aktivismus und Expertise. Wissensgeschichten sozialer Bewegungen seit den 1970er Jahren; Berlin 2026

Von Bewegungs- und Gegenwissen

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Ob in der Friedens-, ökologische oder feministischen Bewegung – angesichts gesellschaftlicher Krisen wuchs seit den 1970er Jahren bei vielen Aktivist:innen der Zweifel, ob die etablierten Wissenschaften noch in der Lage seien, wirksame Lösungen für die Probleme der Zeit zu liefern. Die Sachzwangslogik wurde mit einem Gegen_Wissen konfrontiert. Es war (und ist) für die sozialen Bewegungen zentral, ein anderes Wissen über soziale, politische oder ökologische Herausforderungen und deren Bewältigung bereitzustellen. Dabei bildeten sich auch eigene Expert:innen heraus, diese konnten an herkömmlichen Institutionen der Wissensproduktion tätig sein, oder eigene, neue und dissidente Strukturen und Einrichtungen aufbauen. Alexander von Schwerin nennt in seinem Beitrag zum Beispiel 17 solcher Institute, die zwischen 1975 und 1990 gegründet wurden (S. 35).

Die neuen sozialen Bewegungen ermöglichten mit diesem Wissen Hilfe zur Selbsthilfe, mobilisierten Unterstützung und nutzten es, um ihre politischen Anliegen voranzubringen. Doch wie entstand dieses Wissen? Wann und wie wurde es wirksam? Wer produzierte es? Wie zirkulierte es? Dieser an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg entstandene Sammelband widmet sich nun diesen spannenden Fragen. Er enthält eine Einleitung der Herausgeberinnen, zwei längere und anspruchsvolle Grundsatztexte und sechs Fallbeispiele. Diese Beispiele resultieren aus der akademischen Forschung der Autor:innen. Leider sind acht Beiträge, die auf der dazugehörigen Tagung im Januar 2024 gehalten wurden, nicht in den Band gelangt (vgl. den Tagungsbericht von Pascal Eitler).

Janik Hollnagel untersucht die Fachschaftsinitiative Geschichte an der Freien Universität Berlin, die sich in den 1980ern in fach- und hochschulpolitische Debatten einmischte, und eine bemerkenswerte inhaltliche und organisatorische Kontinuität aufwies. Kassandra Hammel widmet sich Formen feministischer Wissensproduktion und -aneignung, die auch durch die Bezugnahme auf und Übersetzung von englischsprachigen Texten erfolgte. Anja Sattelmacher erzählt von der Selbstorganisation und der Institutionalisierung der Gehörlosenbewegung, und von ihrem Kampf um Anerkennung. Fabian Bennewitz, der wie auch Janik Hollnagel schon länger in der Redaktion der Zeitschrift Arbeit - Bewegung - Geschichte mitarbeitet, beschäftigt sich mit der Solidaritätsbewegung mit Guatemala 1984-1991.

Das Buch, das hier open access ist, ist in einem akademischen Kontext entstanden, es bietet neue und interessante Blickwinkel – und produziert wieder neues Wissen, wenn auch in historischer Hinsicht.

Anna Horstmann/Ruth Pope: Aktivismus und Expertise. Wissensgeschichten sozialer Bewegungen seit den 1970er Jahren; Metropol Verlag, Berlin 2026, 248 Seiten, 22 Euro

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